Vermögen schaffen

Gewinner investieren

Bei der Recherche für diesen Artikel bin ich auf einen Foreneintrag gestoßen, der mich fassungslos gemacht hat. Die Überschrift des Threads lautet (1):

Mehr Kredit aufnehmen als das Auto kostet

Der Themenstarter möchte ein neues Auto zum Preis von 32.000 € kaufen. Dabei möchte er nicht nur den Kaufpreis des Autos voll finanzieren, sondern insgesamt 35.000 € an Kredit aufnehmen, um Geld zu haben für eine Garantieverlängerung und als „Puffer für Zulassung/Versicherung/Steuern etc“. Der Themenstarter möchte von den Forenmitgliedern wissen, ob er mit einer Finanzierung durch die Bank rechnen  kann.

Ob es mit der Finanzierung geklappt hat geht aus dem Thread nicht hervor. Sollte der Fragesteller eine unbefristete Anstellung haben, dann wäre es gut möglich, dass er einen Kreditgeber gefunden hat.

Die Konsumentenfalle

Der Fragesteller mag ein netter Typ sein und es liegt mir fern, jemanden persönlich zu beleidigen aber wer eine derartige finanzielle Verpflichtung eingeht, der handelt einfach nur dumm. Aber er bekommt doch ein schönes Auto mit extralanger Garantie?

Das stimmt, so ein schickes neues Auto macht Spaß und der Käufer freut sich jeden Tag, mit dem Auto herumzufahren. Wenn er Glück hat, dann hält die Freude ein paar Wochen an. Danach hat er sich an das Auto gewöhnt und er ist genauso zufrieden wie vorher. Oder etwa nicht? Vielleicht dämmert ihm stattdessen, dass er in der typischen Konsumentenfalle sitzt:

Bei einer Kreditlaufzeit von sieben Jahren und einem sehr günstigen Zinssatz von 3 % muss der Autokäufer monatlich 460 € abbezahlen (2,3). Dieses Geld fehlt ihm zukünftig für andere Ausgaben. Schauen wir uns jetzt die Wertentwicklung des Neuwagens (dunkelblaue Kurve) in der untenstehenden Abbildung an (4).

Wertverlust PKW

Wenn er das Auto endlich abbezahlt hat, ist es nur noch ein Viertel seines ursprünglichen Kaufpreises wert. Er könnte dafür bei einem Wiederverkauf noch etwa 8.000 € bekommen. Folglich hat der Käufer durch den Wertverlust des Autos ein Vermögen von 24.000 € in sechs Jahren verloren. Dabei sind die angenommenen 3 % Kreditzinsen nur Käufern mit einer Top-Bonität vorbehalten. Üblich sind eher 4 bis 6 % Zinsen. Viel Geld für ein bisschen Spaß am Auto.

Ein echtes Investment

Wie hätte sich das Vermögen des Autokäufers entwickeln können, wenn er statt des Autos eine vermietete Wohnung mit 100%-Finanzierung gekauft hätte?

Nehmen wir an, die Wohnung hätte 100.000 € gekostet und befände sich im Umkreis einer mittelgroßen Stadt mit guter Infrastruktur. Die Wertentwicklung der Immobilie könnte dann so aussehen wie die graue Linie in der nachfolgenden Graphik (5).

Wertentwicklung Immobilie

Nach sechs Jahren wäre die Wohnung im Beispiel ungefähr 112.000 € wert. Die gestrichelte rote Linie in der Graphik markiert die jährliche Kreditbelastung – in diesem Beispiel 8.500 € jährlich, das sind ungefähr 710 € monatlich. Er kann natürlich auch eine Finanzierung mit niedrigeren Monatsraten und längerer Laufzeitvereinbaren. Die Zinsen für Immobilienkredite bewegen sich in der aktuellen Niedrigzinsphase zwischen 1,5 und 2,2 % (6).

Durch die Wertsteigerung der Immobilie hätte der Käufer nach sieben Jahren 12.000 € an Vermögen hinzugewonnen. Aber das ist noch nicht alles. Durch die Vermietung der Wohnung hätte er zusätzliche Einnahmen (grüne Linie), die seine monatliche Belastung durch die Kreditraten mindern und nach sieben Jahren sogar übersteigen. Als Vermieter kann er außerdem die Grunderwerbssteuer und die Maklergebühr sowie die laufenden Kosten aus der Instandhaltung der Wohnung von der Steuer absetzen. Die Grundsteuer und der Großteil der laufenden Betriebskosten lassen sich auf den Mieter umlegen. Das Vermögen des Eigentümers wird also immer weiter anwachsen, erst recht wenn die Immobilie einmal abbezahlt ist.

Einziger Nachteil: Der Wohnungskäufer hatte all die Jahre kein schickes Auto. Er ist einen gebrauchten Kleinwagen gefahren und hatte deshalb überschaubaren Spaß beim Autofahren.

Konsument oder Investor?

Wie man am obigen Beispiel sieht, ist das Leben des Investors zunächst entbehrungsreich weil er auf die unmittelbare Befriedigung eines großen Konsumwunsches verzichtet. Dafür hat er später einen beachtlichen finanziellen Gewinn. Aber wegen des Verzichts fällt das Investieren den meisten Leuten so schwer! Sie wollen gerne sofort ein schönes Auto fahren, neue Kleidung und Möbel kaufen und mehrmals pro Jahr in den Urlaub fahren. Doch wer nicht von Haus aus reich ist, der muss eben Prioritäten setzen. Wer nach Beispielen sucht, der findet einige Leute, die sich durch kluge Investments aus einfachen Verhältnissen zum Millionär hochgearbeitet haben! Was also sind die Unterschiede zwischen Investoren und Konsumenten?

Konsument:
Er denkt kurzfristig, da „man sowieso nie weiß, was morgen sein wird“.
Er sucht die schnelle Bedürfnisbefriedigung, Statussymbole sind ihm wichtig.
Der Vergleich mit anderen verleitet ihn zu mehr Konsum. Wenn der Nachbar einen neuen SUV fährt, dann möchte er „mithalten“.
Er hat wenig oder kein Verständnis für die Risiken seines Lebensstils (Altersarmut)
Er vernichtet Vermögen.

Investor:
Er denkt langfristig. Finanzielle Verpflichtungen geht er dann ein, wenn er sich von ihnen einen zukünftigen Gewinn verspricht.
Er verzichtet auf Statussymbole zugunsten von Erträgen in der Zukunft.
Der Vergleich mit Wohlhabenderen ist für ihn Ansporn, sich noch mehr anzustrengen.
Er wägt bei jeder Investition Nutzen und Risiko sorgfältig ab.
Er schafft Vermögen.

Fazit

Überlegt Euch genau, auf welcher Seite Ihr stehen möchtet. Investieren kann man übrigens auch schon kleine Beträge, es muss nicht immer der Immobilienkredit sein. Ihr könntet als Einstieg zum Beispiel monatlich in einen Aktienfonds investieren. Wichtig ist, dass Ihr Euch vorher selbst informiert und nicht nur auf irgendwelche Berater vertraut.

Ihr braucht auch nicht auf jeden Spaß zu verzichten. Mir hilft es schon, wenn ich mir vor jedem Kauf überlege, ob ich das Produkt jetzt wirklich brauche. Mittlerweile kaufe ich mir deutlich weniger Kleidung als früher weil mein Schrank bereits total voll ist. Und Coffee-to-go oder jedes Wochenende irgendwelche teuren Cocktails brauche ich auch nicht. Stattdessen gebe ich bewusst viel Geld für hochwertige Lebensmittel aus. Gutes Essen ist nämlich auch eine Investition. Es ist eine Investition in die eigene Gesundheit.

Quellen:

  1. https://www.motor-talk.de/forum/mehr-kredit-aufnehmen-als-das-auto-kostet-t5178668.html
  2. http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/finanzieren/zinsen-fuer-autokredite-sind-niedrig-15266804.html
  3. https://www.finanzen-rechner.net/autokreditrechner.php
  4. https://www.allianz.de/auto/kfz-versicherung/wertverlust-auto/
  5. https://www.clever-und-erfolgreich.de/auswirkungen-von-inflation/
  6. https://www.interhyp.de/zins-charts/

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