Kauen

Health Hack: Gründlich kauen

In der Rubrik Health Hacks veröffentliche ich ab sofort Gesundheitstipps, die sich einfach im Alltag umsetzen lassen. Gute oder schlechte Gewohnheiten im Alltag haben nämlich über die Jahre gesehen enorme Auswirkungen auf die Gesundheit, im positiven wie im negativen Sinne. Beispielsweise fördert Mundatmung bei Kindern die Fehlentwicklung des Kiefers und ein übermäßiges Längenwachstum des Gesichts. Zudem ist das Kauen fester Nahrung ein essenzieller Faktor für Entwicklung des Kiefers.

Aber Kauen bewirkt noch viel mehr – es hält den gesamten Körper gesund. Wenn wir unser Essen nicht mehr richtig kauen, sondern aus Bequemlichkeit oder Zeitmangel nur noch hastig herunterschlingen, können wir uns mit der Zeit sogar selbst vergiften.

Verdauung beginnt im Mund

Der Mund ist nicht nur zum Sprechen und den Einwurf von Nahrung da – er ist ein aktiver Teil des Verdauungsapparates. Im unteren Bild ist der menschliche Verdauungsapparat zu sehen. Es handelt sich um einen schlauchförmigen Kanal, der bei Erwachsenen eine Länge von bis zu neun Metern erreicht und mit den Lippen des Mundes seinen Anfang nimmt. Aus der Mundhöhle wandert die Nahrung weiter in den Rachen (Pharynx), die Speiseröhre (Esophagus), den Magen (Stomach), den Dünndarm (Small intestine) und anschließend den Dickdarm (Large Intestine), bis die unverdaulichen Reste durch den Anus wieder ausgeschieden werden. Ebenfalls zum Verdauungssystem gehören die Speicheldrüsen (Salivary Glands), die Leber (Liver) mit der Gallenblase (Gallbladder), die Bauchspeicheldrüse (Pancreas) und die Schleimhautdrüsen von Magen und Darm.

Verdauungssystem
Der menschliche Verdauungsapparat (1)

 

Was passiert wenn wir unsere Nahrung kauen?

Beim Kauen wird die Nahrung zunächst einmal mechanisch zerkleinert, so dass diese einfacher geschluckt und weiter transportiert werden kann. Wäre das die einzige Funktion des Kauens, dann könnte man – um Zeit zu sparen – das Essen auch einfach püriert herunterschlingen. In diesem Fall würde jedoch eine wichtige Komponente fehlen: der Speichel.

Beim gründlichen Kauen produzieren die Speicheldrüsen wichtige Enzyme wie die Alpha-Amylase. Diese beginnt bereits im Mund, langkettige Kohlenhydrate in kürzere aufzuspalten. Je länger man kaut, umso mehr Enzyme werden produziert und umso mehr vergrößert sich die Angriffsfläche für diese Enzyme. Ganz nebenbei beugt Kauen auch Karies vor. Speichel enthält nämlich Immunstoffe wie Lysozim, Laktoferrin und Histadin, welche Bakterien bekämpfen (2). Histadin fördert zusätzlich die Wundheilung – ein Grund warum Menschen sich einen blutenden Finger in den Mund stecken oder Tiere ihre Wunden lecken (3).

Wurde das Essen im Mund bereits ordentlich zerkleinert  und vorverdaut, müssen Magen und Bauchspeicheldrüse weniger Verdauungsenzyme produzieren und werden entlastet. Die aufgenommene Nahrung ist dann mechanisch und chemisch richtig aufgeschlossen, so dass der Dünndarm aus ihr die lebenswichtigen Nährstoffe ziehen kann. Der Darm wird manchmal Wurzel des Körpers geannt weil seine Zotten – ähnlich wie die Wurzeln einer Pflanze im Boden – Nährstoffe aus dem Speisebrei ziehen und damit den gesamten Organismus beliefern.

Was passiert wenn wir unsere Nahrung NICHT kauen?

Kauen wir unser Essen nicht oder nicht gründlich genug, dann wandern größere Brocken des Essens unzerkleinert in den Magen. Es kann dann passieren, dass die Magensäure sie nicht komplett auflöst. Die im Magen produzierten, proteinspaltenden Enzyme können die Eiweiße aus der Nahrung dann nicht vollständig in Peptide – kurze Ketten aus Aminosäuren – aufspalten. Auch die Kohlenhydratverdauung ist unzureichend wenn im Mund zu wenig Amylase gebildet wurde. Zwar schüttet die Bauchspeicheldrüse im Zwölffingerdarm weitere Enzyme aus, diese können jedoch nur an der Oberfläche der Speisebrocken angreifen. Die Essensklumpen bleiben im Inneren unverdaut und wandern so durch den Dünndarm.

Da die Nahrung nicht ausreichend zerkleinert wurde, kann sie nicht über die Wand des Dünndarms resorbiert werden. Stattdessen können bei den im Körperinneren herschenden Temperaturen von 37 bis 38 °C Fäulnis- und Gärprozesse einsetzen. Aus eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Eiern können dabei hochtoxische Fäulnisstoffe wie Indikan, Putreszin, Neurin und Cadaverin (Leichengift) entstehen. Zucker, Backwaren und Rohkost können zu Säuren und Alkohol, darunter giftige Fusel, Methanol, Propanol, Butanol und ähnlichem vergären (4). Die bakterielle Zersetzung schreitet umso weiter fort, je länger die Nahrung im Darm verweilt. Die Zersetzungsgifte können vom Darm in die Blutbahn gelangen und über das Blut in sämtliche Organe und Körperzellen transportiert werden.

Ein häufiges Vergiftungsymptom ist Müdigkeit. Sie entsteht, wenn unser Entgiftungsorgan, die Leber, stark belastet ist. Sie wird deshalb auch „Schmerz der Leber“ genannt. Fäulnisbakterien können sich auch über einen schlechten Atem und Körpergeruch bemerkbar machen. Das Phänomen der Selbstvergifung aus dem Darm wird als Intestinale Autointoxikation bezeichnet.

Gründlich Kauen – Ziehs durch!

Gründliches Kauen ist kein Allheilmittel wenn das Verdauungssystem bereits geschädigt ist. Es ist jedoch – neben der richtigen Ernährung – konsequent im Alltag durchgeführt eine wichtige Maßnahme zur Plege und Gesunderhaltung. Beim Essen zählt nämlich nicht nur das Was sondern immer auch das Wie.

Quellen:

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Digestion
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Speichel
  3. https://www.focus.de/wissen/mensch/speichel-foerdert-wundheilung-sich-die-wunden-lecken-kann-das-gesund-sein_id_5177924.html
  4. Die Darmreinigung nach Dr. med. F.X. Mayr, Dr. med. Erich Rauch, Goldmann Verlag

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