Mein Investment: Uran

Deutschland steigt aus der Kernenergie aus und unsere europäischen Nachbarn freuen sich über gute Geschäfte: Sie bekommen Geld, wenn sie Deutschland den bei Sonne und Wind zuviel produzierten Strom abnehmen. Und sie bekommen Geld, wenn Deutschland den Strom bei der nächsten Dunkelflaute wieder zurückkaufen muss. Dank Energiewende sind wir dauerhaft abhängig von Stromimporten und zahlen die höchsten Preise in ganz Europa. Franzosen hingegen zahlen nur die Hälfte und sind unabhängig. Ihre Energiequelle: Uran.

Uranvorkommen und -förderung

Das Metall Uran ist das schwerste in der Natur vorkommende Element. Es ist in der oberen Erdkruste in einer Konzentration von 2,7 ppm (ca. 3 Gramm pro Tonne Erz) enthalten und damit vergleichbar häufig wie Zinn. In normalen Böden ist es nur als Spurenelement nachweisbar. In einigen sedimentären und magmatischen Gesteinen wie Sandstein und Granit werden hingegen Urangehalte zwischen 0,3 und 5 Prozent erreicht. Daneben gibt es noch Uranvorkommen in Phosphaten (ca. 22 Mio Tonnen), Schiefer und im Meerwasser (ca. 4 Mrd Tonnen). Anreicherungen, aus denen sich das Uran wirtschaftlich gewinnen lässt, werden als Uranlagerstätten bezeichnet. Natürlich vorkommendes Uran besteht zu 99,27 % aus U238, zu 0,72 % aus U235 und zu 0,01 % aus U234. Alle Isotope sind radioaktiv.

Die Uranvorkommen sind geographisch breit gestreut. Die größten Produzenten im Jahr 2017 waren Kasachstan mit 23.321 Tonnen und Kanada mit 13.116 Tonnen.

Uranförderung in 2017
Quelle: www.wise-uranium.org

Über viele Jahre war Kanada mit einem Anteil von 22 % an der Weltfördermenge der größte Uranproduzent der Welt. Erst im Jahr 2009 wurde es von Kasachstan überholt.

Verwendung als Kernbrennstoff

Uran wird heute fast ausschließlich als Primärenergieträger in Kernkraftwerken zur kommerziellen Stromerzeugung benutzt. Weltweit befinden sich 452 Kernkraftwerke in 30 Ländern im Betrieb (Stand Dezember 2017 [1]). Davon sind 292 Druckwasserreaktoren und 75 Siedewasserreaktoren, die mit angereichertem Uran (Anteil des Isotops U235 ca. 3 bis 4 %) als Kernbrennstoff betrieben werden. Nicht angereichertes Uran wird vor allem für den Betrieb von Schwerwasserreaktoren verwendet. Selten kommt es neben Thorium auch in Brutreaktoren zum Einsatz.

Viele der heute in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke gehören zur Generation II von Leichtwasserreaktoren, die ab Mitte der Siebziger Jahre verfügbar waren. Auch der havarierte Siedewasserreaktor in Fukushima und der Siedewasser-Druckröhrenreaktor der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 gehören dazu. Letzterer ist ein Reaktortyp, der nur in der ehemaligen Sowjetunion gebaut wurde. Der letzte dieser RBMK-Reaktoren soll 2030 stillgelegt werden.

Neue oder sich im Bau befindliche Kernkraftwerke gehören überwiegend zur Generation III oder III+. Diese fortschrittliche Leichtwasserreaktoren zeichnen sich durch ein verbessertes Sicherheitskonzept aus, welches auf Grundlage der Erfahrungen mit bisherigen Störfällen und Reaktorunfällen entwickelt wurde. So sorgt ein „Core-Catcher“ unter dem Reaktordruckbehälter dafür, dass das Corium im Fall einer Kernschmelze auseinander fließt und gekühlt werden kann. Kernkraftwerke der III. Generation werden ebenfalls mit angereichertem Uran betrieben.

Die Zukunft der Kernenergie

Aktuell werden in 16 Ländern 49 neue Kernkraftwerke gebaut, davon allein 17 in China. Gleichzeitig sind in sechs Ländern weitere 82 Kernkraftwerke in der Planung [2]. Sogar die japanische Regierung hat den Bau neun neuer Druck- und Siedewasserreaktoren genehmigt. Nachdem das Land sämtliche Kernkraftwerke nach den Reaktorunfällen von Fukushima 2011 außer Betrieb genommen hatte, musste es Gas, Öl und Kohle importieren, um seinen Energiebedarf zu decken. Weil die hohen Kosten für die Energieimporte Japans Wirtschaft stark belasteten, entschied sich die japanische Regierung schließlich für den Wiedereinstieg in die Kernenergie [3].

Stand der wirtschaftlichen Kernenergienutzung in 2017 weltweit
Quelle: Wikipedia

Die voraussichtliche mittlere Laufzeit eines modernen Leichtwasserreaktors beträgt 50 bis 60 Jahre. Weil die die Brennelemente im Reaktorkern regelmäßig erneuert werden müssen, sind die Betreiber über Jahrzehnte abhängig von Uran. Darüber hinaus dürfte Uran zukünftig noch deutlich stärker nachgefragt sein. China hat sich das Ziel gesetzt, seinen CO2-Ausstoß bis Mitte des Jahrhunderts drastisch zu senken. Dabei sollen im Jahr 2050 mindestens 28 % von Chinas Strommix durch Kernkraftwerke produziert werden [4]. Aber auch Länder wie Indien oder Großbritannien planen, neue Kernkraftwerke zu errichten [5].

Der Uranpreis

Zwischen 1990 und 2004 schwankten die Uranpreise am Rohstoffmarkt um 10 US-$/lb (siehe Graphik). Ab 2005 zog der Uranpreis in Erwartung eines hohen Marktdefizits stark an, bis er im Juni 2007 ein Allzeithoch von 138 US-$/lb erreichte. Aufgrund fallender Nachfrage ging es danach ebenso steil auf etwa 40 US-$/lb bergab. Im Jahr 2011 befanden sich die Uranpreise mit 70 US-$/lb wieder deutlich im Aufwind, bevor sie infolge der Reaktorunfälle von Fukushima erneut abstürzten. Bis vor wenigen Monaten dümpelte der Uranpreis bei etwa 20 US-$/lb.

Uranpreis in US-Doller pro Pfund (nicht inflationsbereinigt) von 1990 bis 2019
Quelle: Investorintel.com

Es scheint, dass damit die Talsohle erreicht war. Im letzten Jahr kürzten die beiden führenden Uranproduzenten Cameco and Kazatomprom wegen der niedrigen Uranpreise und gefüllten Lager die Förderung. In der Folge sank die global geförderte Menge an Uranerz um mehr als 16 %. Kazatomprom kündigte zudem an, von 2018 bis 2021 nur noch 80 % der ursprünglichen Menge an Uran produzieren zu wollen. Gleichzeitig heizten die Investitionen aufstrebender Schwellenländer und Industrienationen wie Indien, China undRussland in die Energieproduktion durch Kernkraft die Nachfrage nach Uran deutlich an.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres stieg der Preis für ein Pfund Uran auf 29 US-$. Wegen der Verknappung des marktverfügbaren Urans und der nuklearen Renaissance zeigt der Trend für den Uranpreis auch weiterhin nach oben. Kenner der Uran-Industrie halten Preise von bis zu 65 US-$/lb für realistisch [6].

Mein Investment: Cameco

Weil ich an die Zunkunft der Kerntechnik glaube, suchte ich 2017 nach einer Möglichkeit, in den Rohstoff Uran zu investieren. Ich entschied mich für Aktien des kanadischen Uranproduzenten Cameco. Der Firmenname steht für Canadian Mining & Energy Corporation. Cameco ist nach Kazatomprom der zweitgrößte Uranproduzent der Welt und verfügt über Minen in Kanada, den USA und Kasachstan. In Kanada ist es auch an der Weiterverarbeitung von Uran und der Produktion von Kernenergie beteiligt. Kanada ist zudem ein industrialisiertes, vom Welthandel abhängiges Land mit stabilen politischen Verhältnissen.

Cameco produziert Uran im Schnitt zu Pfund-Preisen von 31 USD und damit rund 9 USD günstiger als der Branchendurchschnitt. Weil Cameco in der Vergangenheit mit vielen Kunden langfristige Lieferverträge zu höheren Preisen geschlossen hat, konnte es trotz der niedrigen Preise das Pfund Uran im Schnitt für gut 36 US-Dollar verkaufen. Nach der Drosselung der eigenen Produktion kaufte das Unternehmen große Mengen Uran günstig am Markt auf und konnte dadurch das globale Überangebot deutlich reduzieren. Nachdem sich nun eine Trendwende bei den Uranpreisen abzeichnet, ist für die Zukunft mit deutlich steigenden Gewinnen zu rechnen.

Kurs der Cameco-Aktie in Euro
Quelle: finanzen100.de

Ich habe die Cameco-Aktie im November 2017 zu einem Preis von 8 Euro pro Aktie gekauft. Nach einem kurzen Höhenflug auf über 11 Euro im Februar dieses Jahres steht sie aktuell bei etwa 9,10 Euro. Die Dividende fiel mit 7 Cent pro Aktie im letzten Jahr recht mager aus. Zusätzlich fällt bei Gewinnen aus kanadischen Aktien auch noch die Quellensteuer in Höhe von 15 Prozent an.

Schaut man sich den Kurswert aus dem Jahr 2011 an, so hat die Aktie bei der derzeitigen Entwicklung auf dem Uranmarkt ein erhebliches Potential nach oben. Lediglich eine schnelle Erhöhung der Förderung durch die großen Player oder die Eröffnung neuer Uranminen könnten den Preisantstieg dämpfen. Das größte Risiko besteht aus meiner Sicht im Betrieb alter und schlecht gewarteter Kernkraftwerke in Ländern mit weniger strengen Sicherheitsauflagen. Ein erneuter Reaktorunfall in einem dieser Länder könnte den Kurs erneut über Jahre einbrechen lassen.

Fazit

Während Deutschland aus der Kerntechnik aussteigt, werden weltweit neue Kernkraftwerke gebaut. Aufgrund der Nachfrage nach Uran ist mit deutlichen Preissteigerungen zu rechnen.

Zudem hat die kerntechnische Forschung und Entwicklung in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht: Mutationsreaktoren könnten absehbar das Problem der Endlagerung lösen, indem sie radioaktive „Abfälle“ wie Plutonium mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren in kurzlebige Isotope mit Halbwertszeiten von etwa 300 Jahren umwandeln und dabei noch Energie erzeugen. Sollte dies gelingen, könnten noch mehr Länder den (Wieder-)Einstieg in die Kernkraft beschließen.

Mein Artikel ist keine Kaufempfehlung.

Quellen:

  1. https://www-pub.iaea.org/MTCD/Publications/PDF/RDS-2-38_web.pdf
  2. https://de.nucleopedia.org/wiki/Liste_der_geplanten_Kernkraftwerke
  3. https://www.dw.com/de/japan-f%C3%A4hrt-zwei-weitere-atomreaktoren-an/a-41542422
  4. https://www.aktiencheck.de/kolumnen/Artikel-einem_starken_Jahr_2018_koennte_es_2019_beim_Uran_richtig_losgehen-9377548
  5. https://www.welt.de/wirtschaft/article182415300/Nuclear-Pride-Warum-Demonstranten-fuer-neue-Atomkraftwerke-protestieren.html
  6. https://seekingalpha.com/article/4251303-look-nuclear-power-uranium-sector

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